
Derselbe hat bereits wieder im Jahre 1880 für Marburgs Umgebung Aehnliches, wie vorher in
Fulda, ins Werk gesetzt.
Ebenfalls gegen Mitte der siebziger Jahre begann der „Allgemeine ärztliche Verein von
Thüringen“, als Ergänzung zu seinen noso-geographischen Untersuchungen, die Sammlung von
meteorologischen Beobachtungen aus Thüringen, insbesondere aus dem thüringischen
Hügellande zwischen Harz und dem Walde, in die Hand zu nehmen. In dessen „Correspondenz-
Blättern“ giebt Wiesing monatliche und jährliche Zusammenstellungen, und um denselben auch
weitere Verbreitung zu sichern, erfolgte, auf meine Vermittlung hin, im Jahre 1880 der
Anschluss ans preussische meteorologische Institut.
Die Erfahrung, nicht blos in Deutschland, sondern auch im Auslande, zeigt nämlich aufs
bestimmteste, dass alle rein freiwilligen Beobachtervereine, sowie sie nicht Fühlung mit der
betreffenden Landesregierung unterhalten oder sich an ein benachbartes fachwissenschaftliches
Staatsinstitut anschliessen, sehr bald wieder auseinandergehen. Diese Thatsache findet ihre
naturgemässe Erklärung darin, dass zunächst viele Beobachter, die sich im ersten Eifer für die
gute Sache als Mitarbeiter gemeldet haben, oft schon nach wenigen Monaten, ja Wochen
fahnenflüchtig werden, weil sie die zu leistende Arbeit unterschätzt haben und ganz besonders
desshalb, weil sie sich dem lästigen Zwange der geforderten peinlichen Regelmässigkeit auf die
Dauer nicht unterziehen wollen; zweitens darin, dass die Zahl des allmählich sich
aufspeichernden Beobachtungsmateriales mit den Kräften zur Verarbeitung und den Geldmitteln
zur Publicirung desselben gewöhnlich in
[Sp. 951/952:]
sehr disharmonischem Verhältnisse steht, und der freiwillige Beobachter erfahren niuss, dass
seine Aufzeichnungen entweder in Archiven ganz vergraben oder nicht genügend ausgenützt
werden oder endlich, dass seiner Meinung nach die in Aussicht gestellten Erfolge nicht
verwirklicht worden sind, falls das heikle Gebiet der praktischen Nutzanwendung in den
Vordergrund gestellt worden ist; drittens aber darin, dass das ganze System mit der Existenz
seines Urhebers gewöhnlich steht und fällt. Wer die Geschichte der meteorologischen
Beobachtungssysteme verfolgt, wird diese allgemeinen Bemerkungen auf Schritt und Tritt
bewahrheitet finden.
Der Vollständigkeit halber habe ich am Schlusse dieses Abschnittes noch zu erwähnen, dass in
Rudolstadt für Schwarzburg-Rudolstadt und in Magdeburg für Sachsen und Thüringen im Jahre
1881 eine meteorologische Gesellschaft, bezw. ein landwirthschaftlicher Wetterverein sich
gebildet haben; da indess deren Thätigkeit in der Begründung eines Beobachtungsnetzes erst im
Jahre 1882 eigentlich begann, muss auf eine nähere Darlegung der getroffenen Einrichtungen in
diesem Werke, welches mit dem Jahre 1881 abschliesst, verzichtet werden.
[Norddeutsche und Deutsche Seewarte, 1868 ff.] Von diesen beiden meteorologischen
Institutionen kann hier nur in soweit die Rede sein, als das Beobachtungsnetz in Deutschland
durch sie erweitert und Material von meteorologischen Aufzeichnungen zur See gewonnen
worden ist.
Ueber die Gründung der Norddeutschen Seewarte berichtet ihr Direktor W. v. Freeden
Folgendes [Hamburg (B) 1, I.]
„Die erste öffentliche Anregung zur Gründung einer ‚deutschen Seewarte’ ging von dem
Congress deutscher Geographen aus, welchen Dr. Petermann nach Frankfurt a. M. berufen hatte,
um überhaupt die Pflege geographischer Studien zu fördern, und besonders die Aufmerksamkeit
des gebildeten Publikums auf die Organisation einer Nordpol-Expedition zu concentriren. Auf
jener Versammlung des Sommers 1860 lenkte nach Erledigung dieser Hauptsache der nach
langer Abwesenheit von Melbourne zurückgekehrte Dr. Neumayer, Direktor des dortigen
meteorologischen und astronomischen Observatoriums, die Sympathieen der Freunde der
Erdkunde auf ein nautisch-meteorologisch-hydrographisches Institut, wie es zuerst von Maury
1843 in Amerika, dann seit 1854 von Holland, seit 1860 von England eingerichtet worden ist,
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