
nur dem unermüdlichen Professor Hoffmann in Giessen gelingt es, auf immer wieder erneute
Aufforderungen zu phänologischen Beobachtungen, solche bis auf die neueste Zeit, wenn auch
etwas sporadisch und oft von kurzer Dauer, aus Hessen und andern Theilen Deutschlands zu
erhalten. Seine 1881 erschienene „Phänologische Karte von Mitteleuropa“, in welcher der
wahrscheinlich zuerst von Cohn i. J. 1851 gemachte Vorschlag, Linien gleicher Blüthezeit oder
isanthische Linien zu zeichnen, ausgeführt ist, giebt über die vielen Orte, an denen einmal
einschlägige Beobachtungen gemacht worden sind, am besten Nachweis.
Im Anschluss daran sei erwähnt, dass zur Zeit nur auf den sächsischen, württembergischen und
den forstlich-meteorologischen Stationen in Deutschland phänologische Beobachtungen
regelmässig gemacht werden. Professor G. Karsten hat in Schleswig-Holstein seit 1868 mehrfach
Versuche zur Erlangung solcher Beobachtungen gemacht, doch jedesmal mit geringem Erfolg.
Seine diesbezüglichen Erfahrungen sind für die Sache selbst sehr charakteristisch und für weitere
ähnliche Unternehmungen so belehrend, dass ein Auszug aus dem gedruckten Berichte [G.
Karsten 11] hier folgen mag:
„Im Jahre 1868 hatte ich dazu aufgefordert, Beobachtungen über die periodischen Erscheinungen
des Pflanzen- und Thier-Reiches anzustellen, worüber es in Schleswig-Holstein noch fast
gänzlich an Nachrichten fehlte ... Da solche Beobachtungen sich ohne das kostspielige
Hülfsmittel von Instrumenten ausführen lassen und nur ein aufmerksames Auge und den guten
Willen, das Beobachtete. aufzuzeichnen, verlangen, so hoffte ich, dass die Landwirthe, Förster,
Gärtner, kurz Alle, deren regelmässige Beschäftigung solche Beobachtung der Natur leicht
macht, sich an einer derartigen Arbeit betheiligen würden ... Für das Jahr 1869 hatten denn auch
12 Beobachter die zum Theil recht vollständig ausgefüllten Listen eingesendet. 1870 gingen nur
noch 4 Listen ein, 1871 erhielt ich nur noch eine Notiz.
Um nun das Interesse wieder etwas zu heben, veröffentlichte ich trotz der sehr ungenügenden
Zahl die eingegangenen Beobachtungen in No. 11 des landwirthschaftlichen Wochenblatts für
Schleswig-Holstein, Jahrgang 1871, eine Zusammenstellung der gewonnenen Resultate.
Indessen blieb diese Anregung fast gänzlich ohne Erfolg. In den Jahren 1872 bis 1875 sind mir
nur vereinzelte Mittheilungen zugegangen. Wiederholte Aufforderungen in Versammlungen des
naturwissenschaftlichen Vereins und durch das landwirthschaftliche Wochenblatt hatten dann
zur Folge, dass von 1875 an, von verschiedenen Seiten Schemata zur Eintragung von
Beobachtungen gefordert wurden und sind hiervon gegen 200 ausgegeben worden. Leider aber
entspricht dieser Zahl diejenige der ausgefüllt wieder eingesendeten Listen durchaus nicht, denn
für das Jahr 1876 haben nur 16, für das Jahr 1877 nur 8 Beobachter ihre Mittheilungen gemacht;
also ist etwa 1/8 der angegebenen Listen benutzt worden.
Es steht mithin wieder ebenso, wie im Jahre 1871; nach kleinem Anlaufe wird die Arbeit
aufgehoben.“
[Preussen, 1847 ff.] Verhältnissmässig spät ist das Königreich Preussen in die Reihe der Staaten
eingetreten, in denen wohlorganisirte meteorologische Beobachtungsnetze bestehen. In einzelnen
Provinzen, wie namentlich in Schlesien, waren zwar Veranstaltungen zur Erforschung der
klimatischen und hypsometrischen Verhältnisse mit Erfolg gemacht worden, indess datirt die
planmässige „meteorologische Aufnahme“ des Königreichs erst vom Jahre 1847, in welchem das
Königliche meteorologische Institut zu Berlin gegründet wurde.
Von einem kleinen Versuche aus dem Jahre 1805, vergleichende Witterungsbeobachtungen aus
Preussen zu sammeln mag zuvor noch kurz die Rede sein. Jenes Jahr ist für das Königreich
insofern besonders interessant, als die höchsten Getreidepreise, höher als in irgend einem Jahre
dieses Jahrhunderts, 1817 und 1854 nicht ausgenommen, im
[Sp. 939/940:]
Jahre 1805 stattgefunden haben. diese Theuerung stand mit den Witterungsverhältnissen
unzweifelhaft in einem Zusammenhange, und desshalb wandte sich der damalige Minister
Freiherr v. Stein an den Prediger Gronau
1
) in Berlin wegen eines den preussischen Staat
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