
Fast gleichzeitig mit dem Eingehen der forstlich-meteorologischen Stationen kam es endlich im
Jahre 1879 in Bayern zur Begründung eines staatlichen Netzes allgemeiner meteorologischen
Stationen, über dessen Organisation der Leiter desselben, Prof. v. Bezold [Bezold 6 u. München
(B) 1, I.] Folgendes berichtet:
„Schon vor Jahren war von Seiten des k. b. Staatsministeriums für Kirchen- und
Schulangelegenheiten der Gedanke in’s Auge gefasst worden, ein einheitlich organisirtes Netz
meteorologischer Stationen in’s Leben zu rufen. Es wurden zu diesem Zwecke verschiedene
Commissionen niedergesetzt und mit der Ausarbeitung von Vorschlägen betraut. [Meines
Wissens gab der erste internationale Meteorologen-Kongress zu Wien i. J. 1873 hierzu
besondere Anregung.]
Der Ausführung der entworfenen Pläne stellten sich jedesmal Hindernisse entgegen, so dass
geraume Zeit verging, bis die Absicht thatsächlich zur Verwirklichung kam.
Die Grundzüge für die nunmehr durchgeführte Organisation wurden im Frühjahre 1877 von
einer Commission entworfen, welche aus Mitgliedern der k. b. Akademie der Wissenschaften
gebildet war, und zwar aus den Herren v. Jolly, Seidel, v. Bauernfeind, v. Beetz und dem
Schreiber dieser Zeilen, dem gegenwärtigen Director des neuen Netzes.
Die Vorschläge, welche von dieser Commission gemacht wurden, waren im Wesentlichen die
folgenden:
Es sollten einschliesslich der Centralstation 34 Beobachtungsstationen errichtet werden, von
denen 15 der zweiten und 19 der dritten Ordnung angehören sollten.
Auf den Stationen zweiter Ordnung seien dreimal [8. 2. 8] des Tages Beobachtungen zu machen
über Druck, Temperatur und Feuchtigkeit der Luft, über die Mengen des gefallenen
Niederschlages, sowie über Richtung und Stärke des Windes, Bewölkung u. s. w. An den
Stationen dritter Ordnung sollten nur zweimal [8. 8] des Tages Aufschreibungen gemacht
werden über die Niederschlagsmengen, über Windrichtung und Stärke, Bewölkung u. s. w.,
sowie über das Maximum und Minimum der Lufttemperatur während der verflossenen 24
Stunden.
Die Stationen sollten möglichst gleichförmig über das ganze Land vertheilt werden und dabei
einerseits die bedeutenden Städte, andrerseits klimatologisch wichtige Orte berücksichtigt
werden.
Die Oberleitung des Ganzen solle einer Centralstation in München anvertraut werden...“
Dieser Entwurf fand am 4. Juli 1878 die definitive ministerielle Genehmigung und wurde so
rasch zur Ausführung gebracht, dass am 1. Januar 1879 die Mehrzahl der Stationen, nämlich 31,
in Funktion traten.
Bei der Einrichtung der Stationen wurde der Grundsatz festgehalten, die Instrumente wenn
irgend möglich in öffentlichen Gebäuden unterzubringen, um die Uebelstände zu vermeiden,
welche aus einem Wohnungswechsel der Beobachter entspringen können. Es gelang dies in der
Mehrzahl der Fälle, da nur 5 von den 34 Stationen in Privatwohnungen sich befinden.
Auch die Centralstation in München ist hinsichtlich des Umfanges der daselbst angestellten
Beobachtungen nur als eine Station zweiter Ordnung zu betrachten und findet den Kern ihrer
Thätigkeit in dem Sammeln und Verarbeiten der von sämmtlichen Stationen einlaufenden
Beobachtungen.
Die Beobachtungen werden in doppelter Weise veröffentlicht: einmal die Resultate
[Sp. 917/918:]
in monatlichen Uebersichten mit populär gehaltenen Erläuterungen über den Witterungsverlauf
in der in Bayern am meisten verbreiteten „Augsburger Abendzeitung“ [München (B) 2], sodann
die Beobachtungen aller Stationen in extenso nach dem international vereinbarten Schema in
Vierteljahrsheften [München (B) 1].
Wie vorauszusehen war, haben sich an dieses staatliche Beobachtungsnetz im Laufe der Zeit
auch mehrere „freiwillige“ Stationen - welche zum Glück überall vorhanden sind -
angeschlossen, so dass jetzt die Gesammtzahl der Stationen etwa 45 beträgt; von den
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