
umfassenden Wetterberichtes für das Jahr 1805 und Behufs des Königlichen statistischen
Bureau’s, welches im nämlichen Jahre begründet worden war. Gronau versprach eine
Zusammenstellung seiner Berliner Beobachtungen und verwies wegen solcher Nachrichten aus
den Provinzen auf Hermbstädt, der sie wohl am ehesten beschaffen könne. Der Minister wandte
sich nun an Hermbstädt, welcher hervorhob, dass die Beobachtung der elektrischen Phaenomene
hinzugefügt werden müsse und anheimstellte, ihn zu beauftragen, vom Januar 1806 an
Beobachtungen an vier Orten, im Osten, Westen, Süden und Norden anstellen zu lassen; er erbat
sich dazu die Bewilligung von vier harmonirenden Thermometern, Barometern, Deluc’schen
Fischbeinhygrometern und Deluc’schen Elektrometern. Der Minister dankte für die Vorschläge
und wünschte einen vorläufigen Ueberschlag der Kosten für die anzuschaffenden Instrumente,
wandte sich aber im Mai 1806 in derselben Angelegenheit nunmehr an die Akademie der
Wissenschaften in Berlin, welche sich jedoch ausser Stande erklärte, von entfernten
Standpunkten der Monarchie meteorologische Beobachtungen vorzulegen, und einen kurzen
Witterungsbericht über das Jahr 1805 für Berlin überreichte. Der auf Grund des geringfügigen
Materiales vom statistischen Bureau damals entworfenen Bericht über die Witterung des Jahres
1805 ist von Dieterici nachträglich veröffentlicht worden; verglichen mit dem, was Jahrzehnte
vorher von der Mannheimer meteorologischen Gesellschaft geleistet worden war, nimmt er sich
höchst dürftig aus.
Alexander von Humboldt
, welcher durch seinen mächtigen wissenschaftlichen Einfluss die
Errichtung grossartiger meteorologisch-magnetischer Observatorien in England und seinen
Kolonien sowie die Etablirung eines weitreichenden Beobachtungsnetzes in Russland,
gelegentlich der allgemeinen Aufnahme erdmagnetischer Forschungen in den dreissiger Jahren,
zu Wege gebracht hatte, musste es schmerzlich empfinden, dass in seinem eigenen Vaterlande
für eine planmässige Erforschung der klimatischen Verhältnisse nichts geschah. Die
Gelegenheit; dass der ihm sehr ergebene Dieterici
im Jahre 1844 zum Direktor des statistischen
Bureaus ernannt wurde, erschien ihm günstig, um durch eine besondere Einrichtung an dieser
Behörde, zu deren Aufgaben, auch die Statistik der Lebensmittelpreise gehört, welche ihrerseits,
wieder von der Witterung wesentlich beeinflusst werden, seinen Wunsch in Erfüllung zu
bringen. Dieser nur lose Zusammenhang zwischen Statistik und Meteorologie - namentlich in
ihrer jetzigen Gestaltung - würde indess Humboldt nicht veranlasst haben, das von ihm geplante
meteorologische Institut als wissenschaftliche Anstalt der Unterstellung unter das
Kultusministerium zu entziehen, wenn nicht zwischen ihm und dem damaligen Minister für die
geistlichen, Schul- und Medicinal-Angelegenheiten, v. Eichhorn, eine kleine Disharmonie
bestanden hätte, so dass die Erreichung seines Zieles durch den Praesidenten des Handelsamtes,
v. Rönne, sicherer erschien.
2
)
In einem vom 15. August 1844 datirten Schreiben Al. v. Humboldt
’s, in dem er Dieterici zu
seiner Ernennung; beglückwünscht, heisst es:
„Möge man Ihnen Mittel gewähren, um dort Ihre Thätigkeit zu entfalten. Wie traurig z. B. dass
man keine regelmässige, sich in Ihrem Bureau concentrirende Anstalten hat, um in
gleichmässiger Form. was für den Ackerbau und die Schifffahrt so nöthig wäre, die mittlere
Temperatur der Monate in Pommern, Uckermark, Posen, ja Rheinlande zu haben. Zwanzig
Barometer und besonders Thermometer, gut vertheilt an sichere Personen, würden merkwürdige
Contraste zeigen. An vielen Punkten wird schon beobachtet aber nicht berechnet, und alles bleibt
in Tagesschriften zerstreut. In welchem Lande spricht man mehr von Wassermangel,
Seichterwerden der Flüsse u. s. w., und wo im Preussischen Staate wird Regen gemessen? nicht
einmal in Berlin! Viele haben die tiefste Verachtung für diese neuen Hauptelemente der Be-
1) Hat am längsten von allen deutschen Beobachtern, nämlich 71 Jahre, beobachtet
2) Diese bisher in weiteren Kreisen kaum bekannte Mittheilung, wurde mir von Dove gemacht, der ja als späterer
Vorstand des Meteorologischen Instituts besondere Veranlassung hatte, mit dessen geistigem Begründer über die
Anstalt zu sprechen.
[Sp. 941/942:]
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