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schieden nach der Jahreszeit v. 71/2 bis 51/2, seit 1843 7 U. und Min., dann Mittags 2 Uhr, dazu
noch seit 1843 Max., Abds. 9 Uhr bis 91/2 Uhr. - Die Stunden 7. 2. 9 waren gegeben von
Lamont für den meteorologischen Verein anschliesslich an fast alle älteren Beobachtungen und
besonders jene d. Ephemerid. meteorolog. S. Palat., aber auch für die Station Karlsruhe, also
mein eigenes Journal, durch die Beobachtungsreihe, welche die Conservatoren des Grossh.
physikalischen Cabinets Böckmann Vater 9 Jahre im vor. Jahrh., Böckmann Sohn 22 Jahr
(1800–1821), dann Wucherer 11 Jahre (1822–1832) geführt haben. Da von dieser Zeit der
Professor der Physik sich der Beobachtungen nicht unterzogen hat, so habe ich für meine Pflicht
im Interesse dieser Disciplin gehalten, das Journal des physik. Kabinets, also bis jetzt 14
Jahrgänge fortzusetzen. Mit Angabe des Min., Max. u. Med. (aus Min., Max. u. 9), welches
hinreichend genau ist, müssen wegen der Vergleichung die Stunden 7. 2. 9 streng innegehalten
werden.
„Führe ich nun ausser dem Brouillon ein 3faches Journal (eigenes - Münchener Verein - Reihe
des physik. Kabinets) und eine Aufzeichnung für die Karlsruher Zeitung, so sehe ich mich bei
dieser Ueberlastung völlig ausser Stande, noch ein Journal für die Stunde, welche Ew.
Hochwohlgeb. vorzuschlagen beabsichtigen [6. 2. 10] zu führen. Bei einem so reichen Material,
welches uns hier, in Stuttgart, Mannheim, Strassburg und Zürich vorliegt, bedarf es ohnedies
mehr der Bearbeitung derselben zu Resultaten, wofür ich selbst und der Privatgelehrte der
Mathematik u. Physik H. Dr. O. Eisenlohr (auch hier) alle freie Zeit verwenden.“
Nur ein kleiner Bruchtheil der von Stieffel gesammelten meteorologischen Beobachtungen aus
Baden ist zur Kenntniss der Fachmänner gekommen, so dass eigentlich blos von den drei Orten
Karlsruhe, Mannheim und Ittendorf langjährige Aufzeichnungen gedruckt vorliegen.
Bemerkenswerth ist das Fehlen solcher Reihen aus den beiden Landesuniversitäts-Städten
Heidelberg und Freiburg, wo die Professoren der Physik (Muncke und Müller) nur gelegentlich
meteorologische Beobachtungen angestellt zu haben scheinen. Dagegen verdieht die 32jährige
Mannheimer Beobachtungsreihe des Stabsarztes E. Weber als sehr vollständig hervorgehoben zu
werden.
Eine entschiedene Besserung in der Regelung der meteorologischen Beobachtungen im
Grossherzogthum Baden trat erst dann ein, als der Staat sich der Angelegenheit annahm und im
Jahre 1868 die meteorologische Centralstation an demselben Polytechnikum in Karlsruhe, von
dem alle analogen Bestrebungenbisher ausgegangen waren, gründete. Im I. Jahresbericht
[Weber, F. I.] dieser Centralstation lesen wir darüber Folgendes:
„Um eine genaue Kenntniss der klimatischen Verschiedenheiten des Landes zu gewinnen und
um die beträchtliche Lücke auszufüllen, welche Baden in dem grossen mitteleuropäischen Netze
meteorologischer Beobachtungsstationen bildete, beschloss das Grossh. Handelsministerium im
Sommer 1868, ein geordnetes System meteorologischer Stationen, welche nach gleichem Plane,
mit gleichartigen Instrumenten und zu denselben Stunden die Witterungs erscheinungen
beobachten, ins Leben zu rufen und eine Cetltralstelle für die meteorologischen Angelegenheiten
des Landes zu gründen. Da sich Herr Hofrath Wiedemann bereit erklärte, die Oberleitung der
meteorologischen Geschäfte zu übernehmen, wurde diese Centralstelle ins Grossh. physikalische
Kabinet [des Polytechnikums] verlegt. Im Herbst 1868 wurde zur Gründung der
meteorologischen Stationen geschritten ... Auf den 280 Quadratmeilen des Landes bestehen also
gegenwärtig [1869] 14 Stationen, so dass je 20 Quadratmeilen eine Station besitzen ...
„Die Einrichtung der Stationen wurde nach dem Vorbilde des schweizerischen Systems
getroffen.
1
) Es wurde daher im Hinblick auf die bevorstehende definititive Einführung des
metrischen Systems in Deutschlands, abweichend von dem bisherigen deutschen Gebrauche, das
Metermaass für die Angaben des Luftdrucks, der Wasserdampf-Spannung und der Regenhöhe
und die Centesimalscala für das Thermometer gewählt.
2
)
1) Wohl hauptsächlich desshalb, weil Professor Wiedemann dasselbe in Basel genauer kennen gelernt hatte.
2) In den übrigen deutschen Beobachtungssystemen geschah dies erst nach dem ersten internationalen
Meteorologen-Kongresse zu Wien im Jahre 1873.
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