
aufbewahrt wird, und das entweder vom Kurfürsten August von Sachsen (1553–86) selbst oder
auf seinen Befehl geführt worden ist. Bei dem regen Sinne dieses Fürsten für Wissenschaft und
Kunst - fast alle zu ihrer Pflege bestimmten grossen Sammlungen in Dresden stammen aus seiner
Zeit - und bei seiner (und seiner Gemahlin Anna) Vorliebe für die Alchemie, welche im Verein
mit Drechseln seine Lieblingsbeschäftigungen ausmachte, erscheint uns sein Interesse für den
Verlauf der Witterung und deren regelmässige „Aufmerkung“ wohl begreiflich. Die Dresdener
Witterungsjournale für die Jahre 1579–82 sind ohne Zweifel Fortsetzungen jenes ersten, und es
ist die Annahme nicht unberechtigt, dass weitere, vielleicht auch frühere derselben, verloren
gegangen sind.
Viele Jahrgänge umfassende und gedruckte Wetterjournale aus dem XVI. Jahrhunderte sind mir
nicht bekannt geworden; möglich, dass in dem Buche „Teutsche Astrologia, oder teutscher
Discours von allerhand Astrologischen Spekulationen. Grebenstein 1637. 8°.“, welches mir
leider nicht zugänglich gewesen ist, solche enthalten sind; denn in Levetzow’s Schrift über die
Meteorologie in Pommern findet sich die gelegentliche Notiz, dass in jenem Werke
hundertjährige Beobachtungen, z. Th. gleichzeitige aus Hessen und Pommern, mitgetheilt
werden. Auch Scheibel erwähnt in seiner Bibliographie die langjährigen Beobachtungen eines
Herrn v. Zierotain aus Schlesien im XVI. Jahrhundert, welche in die alljährlich erscheinenden
Practica eingetragen worden sein sollen. Es wäre damit die beste Gelegenheit geboten gewesen,
die Hinfälligkeit dieser Voraussagungen an der Hand der Thatsachen zu erweisen. Ein solcher
Beweis hätte indessen dem damaligen Zeitgeist wenig behagt; denn grade gegen das Ende des
XVI. Jahrhunderts schwoll die Literatur der Practica zu einer unglaublichen Höhe an, um jedoch
bald darauf in die Periode des raschen Niederganges einzutreten.
[Kassel, 1623–46.] Erst aus dem ersten Drittel des XVII. Jahrhunderts liegt eine gedruckte
Beobachtungsreihe, welche sich auf längere Zeit erstreckt, vor. Wir verdanken sie dem
wissenschaftlichen Eifer des Landgrafen Hermann von Hessen, dem vierten Sohne des
Landgrafen Moritz des Gelehrten. Es scheint fast, als ob sie dazu unternommen worden wäre, die
damals noch in hohem Ansehen stehenden astro-meteorologischen Theorien, insbesondere den
Einfluss der Aspekten, durch die Erfahrung zu bestätigen. . Der Landgraf veröffentlichte die
24jährigen Beobachtungen und diedaraus a/jointfilesconvert/330930/bgeleiteten astro-meteorologischen Deduktionen
unter dem Pseudonym Uranophilus Cyriandrus zu Kassel im Jahre 1651 in der, wie es scheint,
ziemlich selten gewordenen „Historia Meteorologica ...“.
Der Inhalt dieses über 1000 Seiten umfassenden Quartbandes wird durch die dem Citirtitel
nachgestellten Zusätze am besten erläutert: „Darinnen Erstlich demonstrirt wird, ob vnd wie das
tägl. Gewitter mit dem Gestirn vberein troffen, vnd warumb solches geschehen sey oder nicht?
Zum andern, Eine Probe durch die vorgestellten 24 Jahr eines jeden Aphorismi, ob und wie
vielmahl er zutroffen oder nicht, vnd warumb? Zum dritten, Eine beleuchtung der gemeinen
Bawren Reguln, so etzlichen der löhlichen Kunst der Meteorologiae vorgezogen werden wollen.
Sampt etzlichen angehengten, schönen vnd sehr wichtigen Fragen, von himlischen vnd
Elementarischen Dingen, vnd deren erörterung. Alles Zu Rettung der bisher sehr beschimpfften
Meteorologiae, dem Kunstliebenden vnd Prognosticanten aber zu gefallen vnd mächtiger
vorarbeit sich künfftig besser in der Natur vmbzusehen, gestellet, Durch Uranophilum
Cyriandrum, der Meteorol. Cultorem.“
Zur besseren Illustration der Wetterbeobachtungen unseres Autors, der dieselben schon mit dem
16. Lebensjahre begonnen haben müsste, falls die ganze 24jährige Reihe von ihm allein herrührt,
wird die erste Dekade der Aufzeichnungen hier wiedergegeben:
[Sp. 879/880:]
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