
Witterungs- Regeln entweder zu statuminiren, oder zu umstossen, oder auch einige neue zu
entdecken und festzusetzen.“
Aus der „Breslauer Sammlung“ ersehen wir, dass um jene Zeit zuerst der Gebrauch, dreimal
täglich, Morgens, Mittags und Abends, zu beobachten, allgemeiner geübt wurde. Später wählte
man als Morgen- und Abend-Termine mit Vorliebe den Sonnenaufgang und Sonnenuntergang,
die sich lange erhalten haben, bis zuerst die Mannheimer Gesellschaft mit grosser Konsequenz
das Festhalten dreier fixen Termine (7. 2. 9) durchgeführt hat.
Mit dem Aufhören der „Breslauer Sammlung“ im Jahre 1730 beginnt in der meteorologischen
Thätigkeit Deutschlands ein entschiedener Rückgang sich bemerkbar zu machen, der, begünstigt
durch die unruhige Zeit während der längeren Kriege Preussens, bis in die sechziger Jahre
desselben Jahrhunderts anhält. Dass er nicht ganz so intensiv gewesen sein kann, wie ihn z. B.
unsere Kurve (II) der meteorologischen Beobachtungsstationen andeutet, dürfte dadurch
begründet werden, dass Beobachtungen wohl gemacht worden sind und nur die Gelegenheit,
dieselben zu veröffentlichen, gefehlt hat. Zwar enthalten das um die Mitte des Jahrhunderts zu
Nürnberg erscheinende Commercium litterarium sowie die älteren, für Norddeutschland
bestimmten Acta nova maris baltici kürzere Beobachtungsreihen, welche meist von Aerzten
herrühren und an Vollständigkeit denen der „Breslauer Sammlung“ weit nachstehen
(ausgenommen Doppelmayer’s Beobachtungen aus Nürnberg); doch fehlt es gänzlich an einem
Publikationsorgan, das von höheren Gesichtspunkten aus die Sammlung und Verwerthung
meteorologischer Beobachtungen sich angelegen sein lässt.
Unter solchen Umständen erscheint es ganz erklärlich, dass bei Beginn des letzten Drittels des
XVIII. Jahrhunderts, mit dem auch ein grösserer Aufschwung der Literatur sich bemerkbar zu
machen anfängt, gleichzeitig an mehreren Orten das Bedürfniss, korrespondirende
meteorologische Beobachtungen nach denselben Principien und mit gleichen Instrumenten
anzustellen, aufs dringendste gefühlt wird.
[Baden, 1778 ff.] Dem Karlsruher Professor J. L. Böckmann scheint die Priorität, solche
Wünsche (im Jahre 1778) geäussert, wenn auch nur zum Theil, realisirt zu haben, zuzusprechen
zu sein. Ob er aber durch seine Aufforderungen die Gründung der Societas Meteorologica
Palatina veranlasst hat, wie er an der weiter unten angeführten Stelle äussert, scheint mir
allerdings zweifelhaft. Aus der grossartigen und originellen Anlage dieser Gesellschaft geht
vielmehr deutlich hervor, dass ihr wissenschaftlicher Leiter Hemmer
, gestützt auf das grosse
Interesse des Kurfürsten Karl Theodor
für alle Naturwissenschaften und deren Nutzanwendung
zur Mehrung der Landeswohl-
[Sp. 887/888:]
standes, gleichzeitig und selbstständig zu der Ueberzeugung gekommen ist, dass nur durch
einheitliche Organisation der Beobachtungen ein Fortschritt in der Meteorologie selbst zu
erzielen sei.
Trotz der nach heutigen Anschauungen sehr breiten und gespreizten Schreibweise J. L.
Böckmann’s kann ich, um die allgemeine Bewegung auf dem Gebiete der meteorologischen
Beobachtungen in Deutschland gegen Ende der siebziger Jahre nach dem Urtheil der
Zeitgenossen zu schildern, nichts Besseres thun, als einige Passus aus seinen diesbezüglichen
Schriften hier wiederzugeben [Böckmann, J. L. 5]:
„Gegen das Ende des vorhinbenannten Jahres [1778] unternahm ich es, in einer kleinen Schrift
[Böckmann, J. L. 1.], vorzüglich mein teutsches Vaterland mit Wärme aufzufordern, die
Witterungskunde, diesen so wichtigen Theil der practischen Naturlehre mit anhaltendem Eifer,
Genauigkeit und vereintem Fleisse zu bearbeiten. Ich entwarf die Hindernisse, womit dieselbe
bisher zu kämpfen gehabt und zeigte was zu thun sey, sie ihrer dereinstigen Blüthe glücklich
entgegenzuführen. Ich drang vorzüglich auf die Vergrösserung der Anzahl der Beobachter; auf
mehrere Sorgfalt in der Wahl richtiger und übereinstimmender Werkzeuge; auf Gleichheit der
Beobachtungs-Stunden; auf deutliches und bestimmtes Aufzeichnen der Witterung und auf
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